Baby aus Kinderwagen entführt

Wenn Babys entführt werden

Während der genaue Tatablauf und die Hintergründe des vermissten Säuglings im baden-württembergischen Renningen weiterhin ermittelt werden, lohnt sich der Blick auf andere Fälle. Solche Taten sind nicht häufig, aber haben normalerweise klare Motive.

Zunächst die bislang bekannten Fakten aus Renningen: Die 37-jährige Mutter meldete ihren drei Monate alten Säugling am vergangenen Donnerstag um 23.30 Uhr als vermisst. Die Oma des vermissten Jungen schilderte nach Medienberichten weitere Details. Demnach sei das Baby aus dem Kinderwagen verschwunden, den die Mutter auf dem Gehweg vor dem Haus abstellte, während sie die Einkaufstüten in den zweiten Stock hochgetragen habe.

Der Supermarkt ist etwa 800 Meter vom Wohnhaus entfernt und schließt um 22 Uhr. Die Polizei startete nach der Vermisstenmeldung der Mutter eine großangelegte Suchaktion und entdeckte am nächsten Tag, am Freitag, um 13:45 Uhr eine Babyleiche. Ob es sich um den verschwundenen Säugling handelt wird zwar vermutet, ist aber bislang noch nicht bestätigt. Ebenso fehlen weitere Details zum gesamten Ablauf.

Schlafendes Baby samt Kinderwagen aus Hof entführt

Im März dieses Jahres sorgte ein Vorfall aus Dänemark für große Aufregung und Schlagzeilen über die Landesgrenzen hinaus. Ein 37-jähriger Mann entführte ein sieben Monate altes Baby im Kinderwagen, den die Eltern im Innenhof ihres Hauses im süddänischen Hadersleben abgestellt hatten. Das Gittertor war zu aber nicht abgeschlossen.

Bereits anderthalb Stunden später gelang die Rettung aufgrund eines Zeugenhinweises. Der Beschuldigte hatte das kleine Mädchen in ein nahegelegenes Hotel mitgenommen, in das er sich ebenfalls illegal Zugang verschaffte. Er ist wegen Freiheitsberaubung, Entführung und versuchter Vergewaltigung eines Säuglings angeklagt und in Untersuchungshaft.

In Skandinavien ist es eine kulturelle Tradition, dass Babys im Kinderwagen zum Schlafen unbesorgt an der frischen Luft – vor Cafés, Geschäften oder im Garten – stehen gelassen werden. Entführungen sind extrem selten.

Von der Säuglingsstation entführt

Wenn auch selten, gibt es spektakuläre Vorfälle aus den letzten Jahren aus Krankenhäusern im Rhein-Main-Gebiet, die Parallelen aufweisen.

10. November 2010: Die glückliche Mutter hatte erst vor sechs Stunden entbunden und lag mit ihrer kleinen Tochter im Krankenhaus in Frankfurt-Höchst, als gegen 12:30 Uhr eine Frau, die sich als Krankenschwester ausgab, die Station im vierten Stock betrat. Sie müsse das Neugeboren für ein Foto abholen. Die Täterin verschwand mit dem Säugling, vor dem Krankenhaus wartete schon ihre Komplizin mit einem Kinderwagen.

Die Polizei leitet nach der Vermisstenmeldung unverzüglich eine große Suchaktion samt Hubschrauber und Mantrailer-Hunden ein. Dank eines Zeugenhinweises aus der Bevölkerung dauerte der Albtraum der Mutter nur knapp sechs Stunden. Im nahegelegenen Hattersheim konnte das Baby unversehrt befreit werden. Die 28-jährige Haupttäterin hatte zuvor eine Fehlgeburt erlitten und wollte mit dem entführten Säugling ihre Partnerin und die Familie täuschen und das fremde Kind als das eigene großziehen.

„Schwester Ines“ entführt den kleinen Tom

26. April 2001: Ein ähnlicher Entführungsfall aus einer Klinik ereignete sich Jahre zuvor im Bad Sodener Kreiskrankenhaus. Eine 26-jährige Frau mit einer Fehlgeburt und unerfülltem Kinderwunsch gab sich als Krankenschwester mit Namen „Ines“ aus und suchte auf der Säuglingsstation nach einem Baby „zum Mitnehmen“. Unter dem Vorwand eine Untersuchung durchführen zu müssen, gelang es der Täterin einen kleinen kleinen Jungen zu entführen.

Ein Großeinsatz der Polizei führte zunächst nicht zum schnellen Erfolg. Aber bereits einen Tag nach der Entführung suchten Kriminalbeamte durch Zufall wegen eines anderen Ermittlungsverfahrens die Täterin zu Hause auf und bemerkten dabei das Baby. Die Frau gestand die Entführung. Auch in diesem Fall war der Verbringungsort des entführten Säuglings Hattersheim. Die Tatorte der Entführungen, die beiden betroffenen Krankenhäuser in Frankfurt-Höchst und Bad Soden, liegen jeweils in der Nähe.

(Titelfoto: Symbolbild mit KI generiert)

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