Nur “Knöllchen” schreiben und Geschwindigkeitsmessungen durchführen war vorgestern, das Aufgabenfeld der Stadt- und Ordnungspolizeien hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Parallel dazu hat sich aber auch die Gefährdungslage im Außendienst negativ entwickelt.
Ein warmer Juliabend in Eschborn zu vorgerückter Stunde, die Streife der Stadtpolizei ist unterwegs im Bereich des → Süd-West-Parks, als eine aufgebrachte Frau sich an die beiden Ordnungshüter wendet. Sie berichtet von zwei unbekannten Männern, die öfters dort mit freilaufenden Hunden unterwegs seien und diese auf die Schwäne an den Teichen hetzten.
Die Lage ist zunächst unklar, es liegt aufgrund der Zeugenschilderung ein Verdachtsfalls von Tierquälerei vor. Wie werden die beschuldigten Personen auf die einschreitenden Stadtpolizisten reagieren? Die beiden Mitarbeiter tragen Schutzwesten, sind mit Pfefferspray zur Tierabwehr und für Notwehrsituationen im direkten Nahbereich ausgerüstet, weiterhin haben sie zur Eigensicherung einen Teleskopschlagstock dabei.
Bei diesem Einsatz kommt es durch das professionelle Vorgehen zu keiner Eskalation. Es wird nur eine Person angetroffen. Im Gespräch äußert der Mann seine Sicht der Dinge, diese wird protokolliert, er bestreitet die Vorwürfe und beschuldigt umgekehrt die Frau beobachtet zu haben, wie sie im Parkbereich illegal Handel treibe, mutmaßlich mit Drogen. Die weitere Fallbearbeitung geht an die Landespolizei.
Szenenwechsel
Zweieinhalb Wochen später, es ist bereits dunkel, an einem abgelegenen Treffpunkt in der Eschborner Feldgemarkung (→ Sitzbank 231) warten zwei Männer verbotenerweise mit ihrem Auto auf jemanden. Ein “Kunde” (?) verließ kurz vorher — ebenfalls mit Fahrzeug — die Örtlichkeit. Ist das ein Fall für die Stadtpolizei? Theoretisch ja, praktisch erfordert die Lage eine deutlich verschärfte Eigensicherung, weil der Verdacht besteht, dass die beiden Männer bewaffnet sein könnten, um ihren mutmaßlichen Drogenverkauf abzusichern.
In Frankfurt könnte die Stadtpolizei in einer solchen Lage eine Personenüberprüfung durchführen, um festzustellen was im Bereich der Agrarflächen geschieht. Die Mitarbeiter sind mit Dienstwaffen ausgerüstet und in waffenloser Selbstverteidigung trainiert. In Eschborn ist ein solcher Einsatz nur unter Hinzuziehung von Verstärkungskräften der Landespolizei möglich. Alles andere ist nicht verantwortbar. An diesem Abend kommt keine Stadtpolizeistreife dort vorbei, damit stellt sich nicht die Frage des Eingriffs.
Einsatz im Skulpturenpark
Die nicht nur bei Kunstfreunden beliebte Parkanlage mit Freizeit- und Spielbereich im Eschborner Stadtteil Niederhöchstadt, war schon häufig Handlungs- und Tatort in Polizeimeldungen. Die Delikte reichen von einfachen Belästigungen über Sachbeschädigungen an Skulpturen, bis zu Bedrohungen und auch Überfällen. Die abendlichen Einkaufsmöglichkeiten für Essen und Alkohol im Nahbereich erhöhen die Attraktivität, nicht nur zum Verweilen für friedliche Personengruppen.
Der Spätdienst der Stadtpolizei fährt dort planmäßig Streife, wobei die seit einiger Zeit angespannte Personallage dies nicht mehr häufig zulässt. Wie aus verschiedenen Gesprächen mit den Mitarbeitern in den letzten Jahren zu erfahren ist, entstehen im Skulpturenpark und bei ähnlichen Einsätzen immer häufiger Situationen, die die Hinzuziehung der Landespolizei erforderlich machen oder ansonsten nur eine “flache” Kontrolle ermöglichen.
Der Grund dafür ist täglich bundesweit in immer mehr Situationen Thema: der schnelle Griff zu einem Messer. Ein Messerangriff bedeutet Lebensgefahr und endet im günstigsten Fall mit einfachen Schnitt- und Stichverletzungen.
Durch die ungezählten Vorfälle, die in den letzten Jahren durch die Medien gingen, haben sich professionelle und auch selbsternannte Experten zu Wort gemeldet. Unter dem Strich bleibt, am besten den Messerangreifer auf Distanz halten, sofern das möglich ist.
Unterhalb der Einsatzschwelle von Schusswaffen haben sich für die Eigensicherung sogenannte Pfefferpistolen bewährt. Die Wirkung auf den Angreifer ist grundsätzlich genauso wie bei dem einfachen Spray, allerdings liegt die nutzbare Reichweite bei fünf bis sieben Metern, so dass eine Abwehr auf Distanz möglich ist.
Bislang hat im Main-Taunus-Kreis nur die Stadt Hattersheim Pfefferpistolen bei der Stadtpolizei eingeführt. Wie wollen das die Kommunen in der Region zukünftig handhaben? Derzeit liegt nur nur Antwort aus Kronberg vor, dort wird das Thema Pfefferspistole oder Dienstwaffe derzeit nicht verfolgt.
Auf Nachfrage wie das zuständige Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden zu einer erweiterten Ausrüstung der Stadt- und Ordnungspolizeien steht, gibt es die Antwort: “Von hiesiger Stelle werden wir uns grundsätzlich nicht zur Ausrüstung anderer Organisationseinheiten außerhalb der Landespolizei äußern.”

In Eschborn ist in Kürze Bürgermeisterwahl, deshalb die Fragen an alle drei Kandidaten, mit der Bitte um eine kompakte Antwort:
Wie beurteilen Sie die Gefährdungslage der Eschborner Stadtpolizei bei ihren Einsätzen auch zu später Stunde und an abgelegenen Orten? Streben Sie eine Erweiterung der Ausrüstung an, z.B. Bodycams, Pfefferpistolen oder sogar Schusswaffen?
Adnan Shaikh, amtierender Bürgermeister und zuständiger Ordnungsdezernent:
“Schusswaffen erachte ich nicht als zielführend und auch nicht angemessen. JPX, die von Ihnen angesprochenen Pfefferpistolen, werden im Ost-Kreis des MTK auch nicht als sinnvoll erachtet, da sie Schusswaffen sehr ähnlich sehen. Diese Wahrnehmung unterstützt auch die Landespolizei.
Hinsichtlich Bodycams habe ich eine sehr große Offenheit und würde sie auch zeitnah im Rahmen einer Testphase einführen wollen. Hierbei wären sicherlich noch die Sozialpartner zu beteiligen, aber die Offenheit ist von meiner Seite vorhanden.”
Eva Sauter, Bürgermeisterkandidation der SPD:
“Da die Gefährdungslage in Deutschland insgesamt zugenommen hat, gilt dies auch für Eschborn. Damit ist logischerweise auch die Stadtpolizei bei ihren Einsätzen einer höheren Gefährdung ausgesetzt.
Die Ausrüstung der Stadtpolizei ist aus meiner Sicht dahingehend zu überprüfen, ob sie für die von der Stadtpolizei zu erfüllenden Aufgaben ausreichend und zielführend ist. Hier können andere Kommunen wie Hattersheim sicherlich als Vorbild dienen. Ein Vergleich mit Frankfurt, das als Großstadt mit noch ganz anderen Herausfordeungen zu tun hat, passt meines Erachtens nicht. Insofern halte ich die Einführung von Pfefferspraypistolen, wie Hattersheim sie vorgenommen hat, für realistisch.
Wichtig ist aber neben einer angemessenen Ausrüstung auch eine ansonsten arbeitsfähige Stadtpolizei. Die Ursachen für den hohen Krankenstand müssen ermittelt und Abhilfe geschaffen werden. Das Aufgabenportfolio muss geprüft und ggf. angepasst werden. Dabei wäre zu klären, wie die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung (Ordnungsamt, Jugendarbeit) und mit der Region (gerade Frankfurt) auf- bzw. ausgebaut werden kann.”
Thomas Spriegel, unabhängiger Bürgermeisterkandidat:
“Aus meiner Sicht kann nur eine Stadtpolizei, die sich selbst schützen kann, uns Bürgerinnen und Bürger schützen. Nach den mir aktuell vorliegenden Informationen bedarf es – insbesondere bei Einsätzen zu später Stunde und an abgelegenen Orten – eines verbesserten Eigenschutzes – beispielsweise im Falle einer leider inzwischen zum Alltag gehörenden Bedrohung durch die Verwendung von Messern. Bereits vor diesem Hintergrund muss nach meiner Auffassung insbesondere der Körperschutz durch Protektoren nachhaltig verbessert werden.
Ebenso halte ich es für sinnvoll, unsere Stadtpolizei mit Bodycams zur Erhöhung der Sicherheit und Transparenz auszustatten.
Zudem bin ich der Auffassung, dass es unserer Stadtpolizei im Falle eine Bedrohungslage möglich sein muss, auch auf Entfernung Gefahrensituationen zu klären. Die Stadt Hattersheim hat diese Thematik in jüngster Vergangenheit durch die Einführung professioneller JPX-Gaspistolen verbessert. Im Falle meiner Wahl beabsichtige ich, dies ebenfalls entsprechend umzusetzen.
Die von Ihnen angesprochene Bewaffnung mit scharfen Schusswaffen ist immer Ultima Ratio und hat sich an der jeweiligen Aufgaben- und Gefährdungslage zu orientieren. Dies ist auch in anderen Städten so. Nach meiner Kenntnis ist beispielsweise in Frankfurt die Stadtpolizei Verkehrsamt mit Pfefferspray ausgerüstet, wohingegen die Stadtpolizei Ordnungsamt Schusswaffen trägt. Darüber hinaus ist die Gefährdungslage in einer Großstadt regelmäßig eine andere, als in einer kleinen oder mittelgroßen Stadt.
Wichtig ist mir, dass die entsprechenden Verbesserungen stets in enger Abstimmung mit der Stadtpolizei erfolgen. Die Kolleginnen und Kollegen wissen selbst am besten, welche zusätzlichen Hilfsmittel Ihnen bei Ihrer täglichen Arbeit von Nutzen sind. Die entsprechende Bewertung muss in regelmäßigen Abständen unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Bedrohungslage überprüft und angepasst werden.”
(Titelbild von Thomas Rüdesheim auf Pixabay)
Inhaltlich aktualisiert am 15.08.2025, 13:37 Uhr
2 Kommentare
Die Kommentare sind geschlossen.