…aber nicht immer werden die verfügbaren Hinweise und Spuren erkannt, richtig interpretiert oder von Zeugen erst gar nicht weitergeleitet.
Es geht um Vermisstenfälle, die ungeklärt bleiben und irgendwann zu einem Cold Case werden. Zunächst die gute Nachricht: Von den jährlich über 100.000 vermissten Personen, die deutschen Polizeibehörden gemeldet werden (2025: 108.900, Quelle BKA), → klären sich rund 96 % auf.
Was ist mit dauerhaft Vermissten?
Wenn Kinder, Jugendliche oder junge Menschen verschwinden, ist das mediale Interesse nach der veröffentlichten Meldung der Polizei groß. Aber ohne engagierte Angehörige ist der Fall bald wieder aus dem Fokus.
Der Vater von Scarlett S., die am 10. September 2020 bei einer Wanderung im Schwarzwald verschwand, setzte bis heute medial sehr viel in Bewegung, um den Verbleib seiner damals 26-jährigen Tochter aufzuklären. Er hat eine private Belohnung von 100.000 Euro ausgelobt.
Naheliegende Erklärungen und Erfahrungen
Jeder bislang ungeklärte Vermisstenfall ist individuell, allerdings gibt es Erfahrungswerte, die für bestimmte Hintergründe sprechen. Dazu zählt beispielsweise bei Minderjährigen, mit einem Elternteil im Ausland, der Wunsch irgendwie dorthin zu gelangen. Wenn Lebenskrisen oder psychische Probleme bekannt sind, kommt ein Suizid in Betracht. Liegt der Ort, den die vermisste Person dafür gewählt hat, außerhalb des Suchradius, nimmt die Natur mit fortschreitender Zeit ihren Lauf und erst irgendwann werden Kleidungsstücke und Knochen gefunden.
Kritisch wird es immer dann, wenn die Ermittlungsbehörden ein Fremdverschulden, also eine Straftat, ausschließen, obwohl das bei genauer Betrachtung aller bisherigen Ergebnisse, eine verbleibende Hypothese ist.
Im Fall von Scarlett gab es zahlreiche behördliche und auch privat organisierte Suchmaßnahmen. Sogar ein militärischer Profi, der sich in extrem unwegsamen Geländen erst richtig zuhause fühlt, ergänzte die Aktivitäten von Polizei, Bergwacht, Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen. Hier waren wahrscheinlich mehr behördliche und private Suchhunde im Einsatz, als bei vielen anderen Fällen. Trotzdem verliefen alle Maßnahmen ohne Ergebnis.
Scarlett hatte sich per Sprachnachricht für den nächsten Tag mit einer Freundin verabredet. Es gibt keinerlei Anzeichen für einen Suizid. Da Outdoor-Funktionskleidung farblich gut erkennbar ist und erst nach Jahrzehnten verrottet, ist ein Unfall sehr unwahrscheinlich, sie wäre inzwischen entdeckt worden.
Schwer Erträgliches für möglich halten
Die fiktionale Aufarbeitung von Fällen verschwundener Frauen ist einfacher, weil der Autor, bzw. Drehbuchautor, in keinem gedanklichen Korsett steckt. Und hierin liegt die Parallele zu Tätern: keine Statistik, kriminalistischen Lehrbücher und bisherigen dienstlichen Erfahrungen schränken ihre Handlungen ein. Auf den Punkt gebracht: Es gab und gibt Kriminalfälle, in denen Kinder und auch junge Frauen in Gebäuden, in Kellern gefangen gehalten und missbraucht werden. Bekannte Beispiele sind Marc Dutroux in Belgien oder das sogenannte „Horror-Haus“ in Höxter oder der aktuelle Fall aus Soest. Es gibt weitere ähnliche Fälle, das würde aber an dieser Stelle den Berichtsrahmen sprengen.
Was ist zu tun?
In Soest lieferte ein aufmerksamer Nachbar die entscheidenden Hinweise. So konnte die von vier Männern in einem unauffälligen Reihenhaus gefangengehaltene Frau befreit und gerettet wird.
Der erste Weg von Eltern, Angehörigen oder Freunden, die jemanden vermissen, führt normalerweise zur Polizei. Und hier gehört zur Ehrlichkeit, dass es bundesweit und regional in der Fläche Unterschiede bei zeitkritischen Maßnahmen gibt. Zunächst einmal hat die Einschätzung des aufnehmenden Beamten und der gerade diensthabenden Kollegen einen Einfluss auf weitere Schritte. Ist beispielsweise bei objektiver Betrachtung eine qualifizierte OSINT-Analyse (Open Source Intelligence) der Social-Media-Kontakte relevant, stellt sich die Frage der schnellen Verfügbarkeit eines entsprechenden Spezialisten, gerade zu vorgerückter Stunde.
(Standard)Suchmaßnahmen sind Anfragen an Mobilfunkprovider, um den letzten Standort eines eingeschalteten Smartphones zu ermitteln, der Einsatz von Mantrailer-Hunden (Personenspürhunde), viel Manpower, Taucher in Gewässern, Hubschrauber, Drohnen und die Öffentlichkeitsfahndung.
Kann eine Straftat nicht ausgeschlossen werden, finden sich heutzutage die Spuren zum Täter und damit zum Auffinden der Vermissten immer häufiger online.
Die Polizei unterliegt allerdings rechtlichen Beschränkungen, wenn es um den Zugriff auf private Daten zum Beispiel von Messengerdiensten oder in geschützten Internetforen geht. Die Provider spielen bei der schnellen Ermittlung eine wichtige Rolle.
Für Eltern und Angehörige von Vermissten kann es je nach Verdachtslage daher sinnvoll sein, zusätzlich einen unabhängigen OSINT Analysten zu beauftragen, der viel freier agieren kann, auch beim verdeckten Recherchieren unter falscher Identität. Er kann anschließend seine Rechercheergebnisse und fachliche Interpretation der gefundenen Spuren an das ermittelnde Kommissariat weiterleiten.
Wer wird seit längerer Zeit vermisst?
Es gibt online bei den Länderpolizeien Portale mit Fotos und Beschreibungen. Zusätzliche Details, wann und wo das Mobiltelefon abgeschaltet wurde oder das die Vermisste gar keins mitgenommen hat oder das bisher alle Ermittlungen bei Kontakten ergebnislos blieben oder das die Polizei bisher keine Hinweise auf einen möglichen Suizid hat, stehen nicht immer dabei. Diese Informationen gibt es auf Nachfrage bei den Pressestellen.
Nachfolgend die Seite aus Hessen:
https://www.polizei.hessen.de/vermisste-personen
(Titelbild von Gerd Altmann auf Pixabay)