Mann in Handschellen

Der unmögliche Bericht

Seit dem Erscheinen der letzten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für den Main-Taunus-Kreis ist eine heftige Diskussion um die Interpretation der Zahlen für Eschborn entbrannt, obendrein verstärkt durch den Bürgermeisterwahlkampf. Dabei sind die umfangreichen Einsätze der Stadtpolizei ganz aus dem Fokus geraten, weil es keinen Bericht dazu gibt.

Durch Recherchen, eigene Beobachtungen und Gespräche mit Bürgern ist es zumindest möglich einen Teil des Einsatzgeschehens zusammenzufassen. Das sind natürlich nur wenige Schlaglichter.

Dem Vernehmen nach hat die Eschborner Stadtpolizei im vergangenen Jahr über 300 Ordnungswidrigkeiten erfasst und 62 Straftaten zur Anzeige gebracht. Da es bisher keine spezielle Software für den Aufgabenbereich der Stadtpolizei im Rathaus gibt, nicht mal eine von der IT-Organisation bereitgestellte eigene Datenbanklösung, ist es unmöglich einen Gesamtbericht zu erstellen.


Schlaglichter aus diesem Jahr

Am 29.01.2025 erreichte den Spätdienst der Stadtpolizei ein Notruf über das Diensttelefon aus dem REWE-Markt am Rathausplatz, weil es zu einer Belästigung von Mitarbeitern und Kunden kam.

Stadtpolizeien in Hessen haben inzwischen die Möglichkeit über die Einsatzzentrale im Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel Personenabfragen durchzuführen. Bei dem angetroffenen Störenfried im Supermarkt führte das zu einem alarmierenden Ergebnis:
Es handelte sich um eine per Haftbefehl gesuchte Person, die im Polizeisystem POLAS als hochgefährlich eingestuft ist. Von der Leitstelle wurde dringend geraten vorsichtig zu agieren, sich gegebenenfalls taktisch zurückzuziehen und im Ernstfall auf Notwehr mit der Dienstwaffe vorbereitet zu sein.

Welche Dienstwaffe? Im dunklen Außenbereich kam aufgrund der Eigengefährdung kein sicherer Naheinsatz mit der Pfefferspraydose oder dem Teleskopschlagstock infrage. Erst nach 20 Minuten traf Unterstützung durch die Landespolizei ein.

Im Bereich der Moschee in der Schwalbacher Straße kommt es nach eigener Beobachtung und Schilderung von Bürgern sehr häufig während des Freitagsgebets zu krassen Parksituationen. Die Stadtpolizei ist dort immer wieder vor Ort, weil es regelmäßig Beschwerden der Anwohner zum Beispiel aus der Friedensstraße gibt.

Am 07.03.2025 musste die Stadtpolizei Platzverweise gegen eine aggressive Personengruppe erteilen, dabei kam es zu körperlich bedrohlichem Verhalten. Erst nach mehrmaliger Aufforderung folgten die Personen den Anweisungen. Der Streifenbesatzung gelang letztendlich eine Deeskalation der Gesamtlage vor mehreren Schaulustigen.

Bei einer Verkehrskontrolle an der L3005 am 24.03.2025 rastete ein Beifahrer komplett aus und rannte in suizidaler Absicht auf Straße. Der starke Wind an diesem Tag machte den Einsatz von Pfefferspray im Nahbereich unmöglich. Da die Streife mit drei Mitarbeitern vor Ort war, gelang es den Gefahrenbereich abzusichern und gleichzeitig beruhigend auf den Mann im emotionalen Ausnahmezustand einzuwirken. Der Einsatz nahm ein gutes Ende.

Stadtpolizei - Fahrzeugkontrolle
Tageseinsatz auf der Sossenheimer Straße — Foto: privat

Der richtige Riecher veranlasste die Mitarbeiter im Spätdienst am 26.04.2025 zu einer Fahrzeugkontrolle in der Sossenheimer Straße. Beim Ausleuchten des Innenraums kam ein kleines Kind zum Vorschein, das hinter einem großen Stoffteddy versteckt lag. Der Grund blieb unklar. Die Abfrage der Personendaten ergab, dass gegen die Fahrerin Ermittlungen wegen mehrerer Diebstahlsdelikte vorlagen und gegen ihren Beifahrer wegen Körperverletzung.
Die alarmierte Landespolizei traf wegen starken Einsatzaufkommens erst nach 40 Minuten ein, um den Fall übernehmen.

Interessant wären auch Schlaglichter zu Ermittlungen wegen illegalen Aufenthalts und wegen der gefertigten Strafanzeigen, aber dazu sind Recherchen von außen schwierig.

Bei vielen Bürgern dürfte nicht bekannt sein, dass die Stadtpolizei in ihrem Aufgabenfeld über die gleichen Rechte wie die Landespolizei verfügt. Allerdings schränkt die fehlende Ausrüstung im Bereich der → Eigensicherung das Einsatzspektrum ein.
Während im politischen Eschborn gerne die große Bedeutung als Finanz- und Wirtschaftsstandort im Rhein-Main-Gebiet herausgekehrt und viel von Digitalisierung geredet wird, ist die IT-Ausstattung der Stadtpolizei nur mit einer kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern vergleichbar.