Mann mit Messinstrumennten

Spionage oder Sicherheitsmessung?

Erst zwei merkwürdige Einbrüche in ein Bürogebäude und dann tauchte ein unbekannter Mann mit Messinstrumenten auf. Eigentlich genügend Zutaten für einen Thriller, da alle Szenen direkt gegenüber des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle BAFA in Eschborn Süd spielten. Ein hochsensibler Ort, wenn es um deutsche Rüstungsexporte in alle Welt geht.

Aber der Reihe nach: In der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 2024 drangen Unbekannte in ein Bürogebäude im Eschborner Gewerbegebiet Süd in zwei obere Etagen ein, durchwühlten bei zwei Unternehmen mehrere Räume und entwendeten fünf Notebooks und einen Staubsauger. Einen Monitor ließen sie auf ihrer Flucht im Hausgang liegen. Den Gesamtwert bezifferte die Polizei auf 10.000 Euro, den Schaden an den Türen auf rund 1.000 Euro.

Kamen die gleichen Täter zurück?

Drei Wochen später gab es wieder einen Einbruch bei der Firma, bei der zuvor die Notebooks gestohlen wurden. Dieses Mal durchwühlten die Täter nach Auskunft eines IT Mitarbeiters mehrere Schreibtischschubladen, ob und was möglicherweise dort genau zu finden war, stand zum Zeitpunkt der Vor-Ort-Recherche noch nicht fest. Allerdings die Spuren der brachialen Gewalt, um in die Betriebsräume zu gelangen, waren unübersehbar.

Das zwei Mal heimgesuchte Bürohaus liegt genau auf der anderen Straßenseite des BAFA. Und jetzt kommt der Kommissar Zufall ins Spiel. Während der Auswertung der gerade gesammelten Informationen in einem Bistro-Café, das sich ebenfalls im Gebäude befindet, tauchte plötzlich auf dem Bürgersteig draußen ein Mann mit einer Art Teewagen voller Gerätschaften auf. Mit dem Blick auf das BAFA-Gebäude gerichtet war er fleißig mit dem Tippen auf einem Notebook beschäftigt. Er bewegte sich entlang der Gebäudefront. Verschiedene Passanten fanden das sichtbar merkwürdig, aber gingen weiter, ohne ihn auf seine Aktivitäten anzusprechen.

Der Mann mit den Messinstrumenten verschwand wieder aus dem Sichtbereich des Bistros, bevor eine persönliche Nachfrage möglich war.

Streng Geheim

Die Meldung des Vorfalls an das Bundesamt für Verfassungsschutz, das für die Spionageabwehr bei Bundesbehörden zuständig ist, wurde nach einer Woche beantwortet. Es hieß man leite den Vorgang an den Bereich Geheimschutz des BAFA weiter. Von dort kam einige Tage später eine anonyme Eingangsbestätigung, das war´s.

Befragte Experten für Spionageabwehr und Signal Intelligence, die namentlich nicht genannt werden wollen, sagten, es gäbe grundsätzlich auch die Version, dass ein Mitarbeiter des BAFA selbst Messungen rund um das Dienstgebäude vornahm. Dabei werde getestet welche Abstrahlung von IT- und Kommunikationsgeräten außerhalb noch messbar und damit abfangbar seien. Aber auch die Variante, dass Frechheit siegt und jemand dreist vorgeht, sei nicht auszuschließen.

Delikat: Selbst wenn jemand auf der anderen Straßenseite des BAFA Abstrahlungen misst, ist er damit automatisch auch im Empfangsbereich aller andern Unternehmen im Nahbereich, z.B. einer Bank.

Zufall?

Ob es einen Zusammenhang zu den Einbrüchen gegenüber gibt, um über eine sogenannte Verdeckungsstraftat Devices zu installieren, ist unklar. Oder jemand hatte es ganz unabhängig von der Messung rund um das BAFA auf Firmendaten abgesehen, was zum zweiten Einbruch und der Suche zum Beispiel nach Notizen von Passwörtern oder USB-Sticks passen würde. Die gestohlen