Grün-weiße Einsatzfahrzeuge am Straßenrand waren früher das untrügliche Zeichen für die Polizei in Aktion. Heute verrät der Blick auf die Beschriftung schnell um was es genau geht: “www.zoll-stoppt-schwarzarbeit.de”.
Der Einsatz der Zoll-Mitarbeiter aus dem Fachbereich “Finanzkontrolle Schwarzarbeit” fing am Mittwochnachmittag harmlos an in Eschborn. Die Nachkontrolle von Unternehmensunterlagen bei einem Friseurgeschäft stand auf dem Programm.
Verdachtsunabhängige Kontrolle
Um 18 Uhr klingelten die Einsatzkräfte vom Zoll gemeinsam mit Kriminalbeamten aus Hofheim an der Tür eines Etablissements im Gewerbegebiet Süd, das als “FKK-Club” und “Bordell” firmiert.
Zwei vorläufige Festnahmen
Wie der Pressesprecher des zuständigen Hauptzollamts in Gießen, Michael Bender, schildert, trafen die Beamten insgesamt sieben Damen und die Inhaberin vor Ort an. Eine Kubanerin, die nur als Gast da gewesen sein wollte, ging den Zöllnern ins Netz. Sie verstrickte sich in Geschichten die schnell aufflogen. Die 47-Jährige besaß keine gültige Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis.
Die Überprüfung im Polizeiauskunftssystem “POLAS” zeigte auch noch einen Haftbefehl gegen die “Club-Dame”, den das Amtsgericht Offenbach wegen Betrugs erlassen hat. Damit drohe der Kubanerin möglicherweise die Abschiebung, erklärte Zollsprecher Bender. Die weiteren Ermittlungen auf der Polizeistation in Niederhöchstadt ergaben, dass sie aus ihrer Heimat über Spanien nach Deutschland eingereist war.
Eine serbische Staatsbürgerin wurde ebenfalls vorläufig festgenommen, aufgrund einer zunächst unklaren Situation. Hier ergaben die weiteren Ermittlungen, dass die Dame eine Aufenthaltsgestattung hat, weil ihr Asylverfahren in Deutschland läuft.
Girls mit eigenem Gewerbeschein
Die fünf anderen “Girls”, wie sie auf der Club-Website heißen, sind offiziell selbstständig tätig. Drei haben eine bulgarische und zwei eine rumänische Staatsbürgerschaft. Als EU-Bürgerinnen können sie hier legal ihrem angemeldeten Gewerbe nachgehen.
Der eigentliche Kontrollschwerpunkt der Zollbeamten liegt auf illegalen Beschäftigungsverhältnissen, aber die verdachtsunabhängigen Kontrollen bei Gewerbebetrieben bringen auch teilweise ganz andere Delikte zum Vorschein, erklärt Michael Bender.
Berufschancen beim Zoll
Derzeit sind beim Zoll rund 6 500 Beamtinnen und Beamte bundesweit in der “Finanzkontrolle Schwarzarbeit” tätig. Für diesen Fachbereich seien 1 600 zusätzliche Stellen bereits genehmigt, so Bender. Vor allem die Einführung des Mindestlohns mache deutlich mehr Kontrollen erforderlich, ob die gesetzlichen Vorgaben auch eingehalten werden. Das Hauptzollamt Gießen, das bis an die Stadtgrenze Frankfurts zuständig ist, bekomme 70 zusätzliche Kräfte für diese Aufgaben, erklärt der erfahrene Zollbeamte und weist auf die Website für interessierte Bewerber hin: www.zoll.de
Rotationsprinzip
Inzwischen haben die “Girls” möglicherweise schon wieder gewechselt mit anderen Clubs. Dies sei so üblich, erklärt ein Kenner der Szene vor Ort, der namentlich nicht genannt werden will.