Vorletzte Woche wurden wie → berichtet auf dem Parkfriedhof Heiligenstock in Frankfurt-Seckbach mehr als 30 Gräber verwüstet. Auf der Suche nach den Schuldigen gibt es nun “Tatverdächtige”.
Ein Gärtner hatte bereits eine Wildkamera installiert und in der Besprechung der Genossenschaft der Friedhofsgärtner erhärtete sich nach der Bildauswertung der Verdacht, dass keine Menschen für den Vandalismus und die Störung der Totenruhe verantwortlich seien, sondern Waschbären. Dies war heute telefonisch in der dortigen Geschäftsstelle zu erfahren.
Nun sollen weitere Wildkameras auf dem Friedhof installiert werden, der von der Gemarkung her noch zu Frankfurt gehört, aber im äußeren Grüngürtel an Bad Vilbel grenzt und von Feldern und Streuobstwiesen umgeben ist. Es habe auch auf anderen Friedhöfen bereits ähnliche Vorfälle gegeben, hieß es.
In zwei unabhängigen Gesprächen, mit einem erfahrenen Jäger und einer Waschbärexpertin, die seit Jahren in der Hilfe für Wildtiere aktiv ist, wird die “Täterschaft” der Waschbären in diesem Ausmaß stark bezweifelt.
Beide wollen aus beruflichen Gründen namentlich nicht genannt werden.
Der Verdacht anhand der Verwüstungen fiel in beiden Gesprächen sofort auf Wildschweine, auch jüngere Tiere kämen in Betracht, denen eine kleine Lücke im Zaun zum Durchschlüpfen reicht oder die bereits während der Öffnungszeiten auf das ausgedehnte Parkgelände gelangt sein könnten.
“Waschbären werden in letzter Zeit sehr schnell für alles Mögliche zum Sündenbock erklärt, egal ob es um Beschädigungen oder den Rückgang von Wild und Singvögeln geht”, sagte die Tierschützerin.
Ohne Original-Tatortfotos, bevor die Gräber wieder in Ordnung gebracht wurden, macht auch die Auswertung der Spuren durch KI keinen Sinn. Bis genaue Erkenntnisse durch die Wildkameras vorliegen, bleibt die definitive Täterschaft offen.
Nicht der erste Vorfall in diesem Ausmaß
Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Juni 2023 auf einem Friedhof in Großalmerode im Werra-Meißner-Kreis. Dort waren 45 Gräber beschädigt. Die Hannoversche Allgemeine berichtete, dass die Friedhofsverwaltung zunächst von Vandalismus ausging. Das Schadensbild bestand unter anderem aus herausgerissenen Blumen und verwüsteten Pflanzen. Erst nach Einschaltung von Jagdpächtern wurde die Ursache den Waschbären zugeschrieben.
Die HNA weiter: “Die Merkmale seien typisch für Waschbären, da sie nicht graben, sondern nur die Wurzeln ausheben, um an Nahrung zu kommen. Der Friedhof sei deshalb ideal für die Tiere, weil die Gräber regelmäßig gepflegt und gewässert werden. In trockenen Zeiten gebe es wenig Nahrung, und da der Mutterboden der Gräber Feuchtigkeit enthalte, lägen dort Insekten, die von den Waschbären herausgeholt würden, erklärt der stellvertretende Jagdpächter.”
(Titelbild: Symbolfoto von cor weggelaar auf Pixabay)