gesperrte Zufahrt zum Eschenplatz

Unklare Lage am kommenden Mittwoch

Damit nicht der Verdacht aufkommt hier würden Ängste geschürt, möge jeder die nachfolgenden Fakten für sich selbst bewerten.

In der Lesart der Sicherheitsbehörden besteht weiterhin eine abstrakte hohe Anschlagsgefahr in Deutschland. Ein neu bewertetes Risiko stellen derzeit Radikalisierungen von Jugendlichen dar, die über Soziale Medien erfolgen und bei einer Kontaktaufnahme zu Terrororganisationen, wie dem IS oder Al-Kaida, zu einer individuell angeleiteten Aktion führen können.

Ohne an dieser Stelle weiter in Details zu gehen, sei angemerkt, dass derzeit praktische Anleitungen zu selbstgebauten Sprengladungen — zum Beispiel mit Schnellkochtöpfen — publiziert werden. Fahrzeuge als Anschlagswaffe oder Messerangriffe sind damit nicht vom Tisch, aber aufgrund von Schutzmaßnahmen ist das Auto nicht mehr die primäre Wahl.

Situation in Eschborn

Konkret für Eschborn lagen oder liegen offenbar spezielle Erkenntnisse vor, die zwischen letztem Mittwoch und Freitag zu einer Änderung des Sicherheitskonzepts für öffentliche Veranstaltungen geführt haben.

Zur Eröffnung der Summertime-Veranstaltungswoche auf dem Eschenplatz wurde auf die eigens gekauften Zufahrtssperren verzichtet und stattdessen standen Wasserbehälter in Gitterboxen in der Hauptrisikozufahrt (→ siehe Bericht). Dieses Schutzkonzept fand auch eine Woche später beim zweiten Konzert Anwendung. In Richtung Oberortstraße stand ein kleiner Lkw quer, an der Hauptstraße eine größeres Bauhoffahrzeug, letzten Mittwoch sogar mit seitlicher Durchfahrtsmöglichkeit.

Am Donnerstag blieb deshalb nur eine Presseanfrage an die Stadt Eschborn, um zu klären, welcher Grund dazu geführt hat, dass die zertifizierten Zufahrtssperren nicht zum Einsatz kamen. Am nächsten Tag, am Freitag, wurden merkwürdigerweise genau diese Sperren wieder aufgebaut, um die Open-Air-Theatervorstellung an gleichem Ort vor möglichen Angriffen mit Fahrzeugen zu schützen.

Heute, am Montag, folgte die Antwort auf die Anfrage: “Jede Veranstaltung ist immer individuell zu bewerten. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden gemäß dem entsprechenden Erlass des Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz getroffen.”

Zur Frage der Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden, antwortete die Pressesprecherin: “Eine Abstimmung wird grundsätzlich anlassbezogen vorgenommen.”

Welche streng vertraulichen Erkenntnisse zur Bedrohungslage zwischen Mittwoch und Freitag im Eschborner Rathaus vorlagen, die keinem namhaften Sicherheitsberatungsunternehmen bekannt sind, das sofort entsprechende Newsletter verschickt, bleibt offen. Jedenfalls waren die Theaterbesucher besser geschützt als die Konzertfans am Mittwoch.

Hoffentlich erreichen auch diese Woche wieder relevante Hinweise rechtzeitig die Verantwortlichen, damit die Sicherheitslage für das nächste Summertime-Konzert individuell bewertet werden kann.

Ein Schelm, wer jetzt vermutet, dass die Entscheidung, was dieses Mal im Lager bleibt und was aufgebaut wird, gar nichts mit einer qualifizierten Lagebeurteilung zu tun hat.