Die im Main-Taunus-Kreis durch Polizeikontrollen entdeckten Kokain-Funde sind verhältnismäßig gering, wenn man die aktuelle Verbreitung der „Lifestyle-Droge“ betrachtet. Das hängt unter anderem an den klandestinen Verkaufswegen, öffentliche Parks spielen in Eschborn für diese Droge keine relevante Rolle.
Einer der wichtigsten Transportkanäle für Kokain aus Süd- und Mittelamerika nach Europa ist der Seeweg. Zoll- und Polizeibehörden haben seit Jahren in den europäischen Häfen technisch nachgerüstet, um Verstecke zu finden. Trotz tonnenweiser Beschlagnahmungen im Jahreslauf ist das beliebte Rauschmittel in der großstädtischen Party- und Kreativszene weit verbreitet. Von Nachschubproblemen ist auch im Großraum Frankfurt nichts bekannt.
Das bekannte spanische Online-Magazin “Vozpópuli” hat in einer aktuellen Investigativrecherche einen der neuen Transportwege unter die Lupe genommen, den “Narco Cesarean”. Bei der direkten Übersetzung könnte man spontan an die bekannte Muli-Variante denken, bei der Menschen Drogen im Körper transportieren. Aber es geht um einen “Kaiserschnitt” am Schiffsrumpf.
“Die medizinische Metapher ist kein Zufall. Als wäre es eine Bauchoperation, machen die Kriminellen Schnitte in den Rumpfstrukturen —, wobei sie kritische Millimeter des Schottes und der Längsschnitte des Schiffs— respektieren, um perfekt versiegelte Blöcke mit Drogen zu versehen. Diese Unterwasser ‘Implantate’ sind mit bloßem Auge unsichtbar, selbst für viele Hafeninspektionen.”
Der gesamte Artikel von José Luis Jiménez (→ Las ‘cesáreas del narco’ en Canarias: así corta Primeiro Capital los barcos para meter cocaína) ist absolut spannend und enthüllend. In den gängigen Webbrowsern gibt es per Klick eine Übersetzung ins Deutsche.
Zurück auf die lokale Ebene
Um den → illegalen Drogenhandel vor Ort aufzuklären, auch mit Kokain in Business-Kreisen, ist die Polizei auf Hinweise von beobachtenden Bürgern angewiesen. Bei aller Wertschätzung für die Ermittlungsarbeit der Behörden, der Personalansatz reicht gerade im Drogenhandel nur für die berühmte Spitze des Eisbergs. Hinzu kommt speziell in Hessen ein großer Nachholbedarf für OSINT Analysen. Aber das ist ein eigenes Thema.
(Titelfoto: Ben Kerckx auf Pixabay)
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