Kokain und Geld

Drogenhändler unter Beobachtung

Was passiert im hinteren Teil des Süd-West-Parks und auf dem Weg an der Rückseite des tagsüber beliebten Spiel- und Freizeitbereichs? Die Beobachtungen stammen nicht aus Kleintransportern mit verdunkelten Scheiben, hinter denen Polizeibeamte die Eschborner Rauschgiftszene beobachten, sondern von Bürgern.

Gassigänger, Jogger und Radfahrer sind unauffällige Observanten in ihrem täglichen Revier. Bei geselligen Gesprächsrunden im Rahmen des aktuellen Bürgermeisterwahlkampfs oder auch in den Sozialen Medien kommen die Beobachtungen auf den Tisch.

Demnach sollen in Eschborn der Süd-West-Park, der Bereich am Römerbrückchen in den Unterwiesen, das Arboretum oder auch der Bahnhof Mitte Verkaufsplätze für Drogen sein. Was ist dran an den Geschichten? Reporterblick hat im zuständigen Polizeipräsidium Westhessen nachgefragt.

Mehr Koks entdeckt

Im Bereich harter Drogen, speziell Kokain, gibt es eine Zunahme der Fallzahlen. Wurden im Main-Taunus-Kreis 2022 noch 36 Fälle von der Polizei registriert, waren es 2023 bereits 49 und im vergangenen Jahr 64 Delikte. Die Polizei verweist aber auch auf ihre Aufklärungsquote, die 2024 in diesem Bereich bei 95,3 % gelegen habe.

Machen wir einen Sprung in die Makroperspektive: Wenn man die regelmäßigen Publikationen zum Beispiel der “Global Initiative against Transnational Organized Crime GI-TOC”, den “NarcoWATCH Snapshot” und andere einschlägige Crime Intelligence Newsletter liest, dann kommt die Frage auf, wie passt der Wirtschaftsstandort Eschborn als theoretischer Konsumenten-Hotspot für Kokain da rein?

Die Polizei sagt, dass Eschborn im MTK keinen Schwerpunkt darstelle. Im Jahr 2023 habe es zwei Rauschgiftdelikte mit Kokain und im Folgejahr sechs Fälle gegeben. “Im Rauschgiftbereich handelt es sich größtenteils um Kontrolldelikte, bei denen die Tatverdächtigen oftmals feststehen.”, so Pressesprecherin Ilka Roth. Die Polizeidirektion Main-Taunus und die Polizeistation Eschborn richten ihre Maßnahmen generell nach der allgemeinen Kriminalitätslage aus und setzen entsprechende deliktische Schwerpunkte. Hinzu kommen Sicherheitskampagnen mit intensiven Kontrollen im Straßenverkehr, so die Polizeisprecherin.

Kokain per Kaiserschnitt nach Europa

Was ist jetzt mit den genannten Orten, an denen Bürger Beobachtungen gemacht haben?

Das geht zu sehr ins Detail und die Polizei bittet um Verständnis nicht auf taktische Maßnahmen eingehen zu können. Damit haben beide recht, die beobachtenden Bürger und die Exekutive. Für Eschborn kommt eine weitere Komponente hinzu, die Stadtpolizei. Auch hier sind im Rahmen der eingeschränkten personellen Möglichkeiten “Beobachter” an den Hotspots unterwegs. Leider gibt es bisher keinen Tätigkeitsbericht der Stadtpolizei und damit keine genauen Zahlen.

Konkrete Erfolge

Es gibt bereits in der ersten Jahreshälfte Ermittlungserfolge im Deliktfeld der Betäubungsmittel zu berichten. Ilka Roth verweist auf die dazu veröffentlichten Polizeimeldungen und fasst zusammen: “Im Main-Taunus-Kreis haben die Beamtinnen und Beamten im März eine Cannabis-Plantage in Hofheim-Lorsbach ausfindig gemacht und anschließend Cannabis in nicht geringen Mengen sichergestellt. In Hattersheim und Eppstein fanden im Mai umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen statt, bei denen unter anderem eine geringe Menge Amphetamin, etwa zwei Liter eines Opiats, mehrere hundert Gramm Marihuana und Haschisch, zahlreiche Cannabispflanzen aufgefunden und sichergestellt wurden.”

Zum Schluss darf der Hinweis nicht fehlen, dass jeder, der unterwegs einen mutmaßlichen Verkauf von Drogen beobachtet, sofort die 110 wählt und sich die Kennzeichen beteiligter Fahrzeuge merkt.

(Titelfoto: günter auf Pixabay)