Demozug in Eschborn

Wenig Interesse an der Demo ohne Zapatistas

Die aufziehenden Kräfte der Bereitschaftspolizei waren am Samstag der Blickfang für Anwohner und Passanten im Bereich des Eschborner Bahnhofs. Die Vorankündigungen verschiedener Akteure auf Online-Plattformen zur Demo “Für das Leben, gegen den Kapitalismus” versprachen deutlich mehr, als dann am Ende tatsächlich am Wirtschaftsstandort Eschborn passierte.

Die eigentlichen Stars der Demo sollten die Zapatistas aus Mexiko sein, die zu ihrer Europatour am 14. September über Wien einreisten. In Reih und Glied sei der erste Teil einer 177 Mitglieder starken Delegation der Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) in Wien gelandet, verkündete die taz in einem Artikel.

Im Anschluss an das Besuchsprogramm bei Solidaritätsgruppen, unter anderem auch in Deutschland, wurde frühzeitig die “bundesweite Demo” am 16. Oktober auf Online-Kanälen angekündigt und von diversen Organisationen und Gruppen aus dem linken Spektrum zum Beispiel in Twitter kräftig geteilt.

Tatsächlich erschienen am vergangenen Samstag nur rund 80 Demonstranten gegen 11 Uhr am Eschborner Bahnhof, um bei ihrer angemeldeten Demo vor der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und vor dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ihre Protestbotschaften zu verkünden. Die Zapatistas selbst waren bereits Tage zuvor aus Deutschland wieder abgereist.

Protest gegen Verkehrsprojekte in Mexiko

Da die Versammlungsbehörde, die Stadt Eschborn, die Streckenführung über einen kurzen Weg an den Bahngleisen ins Gewerbegebiet West nicht erlaubte, wäre nur der längere Marsch über die Schwalbacher und die Ludwig-Erhard-Straße zur GIZ möglich gewesen. Darauf verzichteten die Organisatoren aus Zeitgründen und verlasen ihre Texte auf dem kleinen Bahnhofvorplatz.

Protest gegen Rüstungsexporte

Anschließend ging es von starken Polizeikräften begleitet weiter ins Gewerbegebiet Süd, vor das BAFA. Diese Bundesoberbehörde, die unter anderem für die administrative Genehmigung aller deutschen Rüstungsexporte zuständig ist, erlebte im vergangenen Jahr bereits das illegale Eindringen von Aktivisten aus dem linken Spektrum und in diesem Jahr eine genehmigte Demo, die als “Tribunal” auf der gesperrten Straße davor aufgebaut war.

Dieses Mal fand die Demo an einem Samstag statt und damit in einem fast menschenleeren Gewerbegebiet. Ob die im Schichtdienst tätigen Mitarbeiter in benachbarten Bürohäusern überhaupt etwas von den Inhalten der Proteste mitbekommen haben ist fraglich, die nicht anwesende Behördenleitung des BAFA jedenfalls nicht.

Der abschließende Weg durch Eschborn führte zum S‑Bahnhaltepunkt Süd. Von dort ging es nach Frankfurt, zum zweiten Teil der Demo. Medienberichten zufolge lag die Teilnehmerzahl auf dem Weg vorbei an der Deutschen Bank und dem Unternehmen BlackRock hin zur EZB bei rund 500 Demonstranten.

Im Rückblick stellt sich die Frage, was die Demonstration am Wirtschaftsstandort Eschborn ohne nennenswertes Publikum gebracht hat? Selbst die Mobilisation innerhalb des linken Spektrums war sehr gering. Aus den Kreisen Eschborner Linker und auch der Extremisten war niemand zu sehen.